Was muss passieren, bevor ein HiFi-Gerät in den Handel darf?
Der LowBeats-Autor Andrew Weber hat sich genau dieser Frage gewidmet und dafür unter anderem mit Bastian Neu, Managing Partner/Developer bei SPL, sowie dem VDE-Prüfinstitut gesprochen. Sein Bericht „CE, CB-Report & Co.: Wann ein HiFi-Gerät in den Handel darf“ zeigt, wie umfangreich die Anforderungen an moderne Audiogeräte sind – von der CE-Kennzeichnung bis zu internationalen Zertifizierungen.
CE ist mehr als ein Zeichen auf der Rückseite:
Für den europäischen Markt ist die CE-Kennzeichnung ein wichtiger Bestandteil der Konformität eines Produkts. Sie ist allerdings kein Qualitätssiegel und auch kein klassisches Prüfsiegel. Vielmehr erklärt der Hersteller damit, dass sein Produkt die geltenden europäischen Anforderungen erfüllt.
Bei netzbetriebenen HiFi-Geräten spielt dabei insbesondere die Sicherheitsnorm IEC/DIN EN IEC 62368-1 eine wichtige Rolle. Geprüft werden unter anderem Spannungsfestigkeit, Luft- und Kriechstrecken, Erwärmung, Schutzleiter, Brandschutz und das Verhalten unter Fehlerbedingungen.
Wie anspruchsvoll diese Anforderungen sind, zeigt eine Aussage des VDE-Experten Heiko May im LowBeats-Bericht:
„Viele Entwickler, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben, kennen die Details der DIN EN IEC 62368-1 verständlicherweise nicht in ihrer gesamten Tiefe.“
Für SPL ist deshalb eine frühzeitige und sorgfältige Dokumentation ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung. Bastian Neu berichtet über die ersten Geräte, die gemeinsam mit dem VDE geprüft wurden:
„Wir haben für unsere Geräte alles dokumentiert – Schaltpläne, BOM, Testprotokolle.“
Das spart später Zeit und erleichtert die Prüfung erheblich. Gleichzeitig schätzt SPL den unabhängigen Blick von außen. Neu beschreibt die Zusammenarbeit mit dem VDE als eine Möglichkeit, „noch einmal ganz nüchtern auf meine Schaltungen“ schauen zu lassen – und dabei wertvolle Hinweise zu bekommen, die letztlich sogar Kosten sparen können.
Von Europa in die Welt:
Mit der CE-Konformität ist der Weg für den europäischen Markt bereitet. Für international tätige Hersteller wie SPL kommen jedoch weitere Anforderungen hinzu.
Hier spielt der CB-Report beziehungsweise das CB-Zertifikat eine wichtige Rolle. Es basiert auf internationalen Sicherheitsstandards und kann als Grundlage für weitere nationale Zertifizierungen dienen. So lassen sich bei der Erschließung von Märkten wie den USA, Japan oder Südkorea Doppelprüfungen reduzieren. Heiko May bezeichnet das CB-Zertifikat deshalb als: „Türöffner.“
Auch SPL hat entsprechende Erfahrungen gesammelt. Der SPL Phonitor 3 DAC wird beispielsweise auch in den USA angeboten und musste für diesen Markt entsprechend spezifiziert und zertifiziert werden. Neben den europäischen Anforderungen sind dort unter anderem FCC- und UL/NRTL-Anforderungen zu berücksichtigen.
Für ein Unternehmen wie SPL sind solche Zertifizierungen durchaus eine Investition. Bastian Neu erklärt gegenüber LowBeats: „Aber die Investition ist fast alternativlos, weil man sonst in den USA keine Chance hat.“
Sicherheit beginnt in der Entwicklung:
Der vielleicht wichtigste Punkt des LowBeats-Berichts: Zertifizierung sollte nicht erst am Ende eines Entwicklungsprojekts beginnen. Werden Anforderungen bereits in der Designphase berücksichtigt und Schaltpläne, Layouts und technische Unterlagen frühzeitig geprüft, können spätere Änderungen und damit Zeit und Kosten vermieden werden.
Genau diesen Ansatz verfolgt auch SPL. „Sicherheit, Zuverlässigkeit und internationale Konformität sind für uns keine nachträglichen Hürden, sondern Bestandteile einer professionellen Produktentwicklung.“
Denn bevor ein SPL-Gerät seinen Platz im Rack, Studio oder HiFi-System findet, muss nicht nur der Klang stimmen. Auch technisch und rechtlich muss das Produkt höchsten Anforderungen genügen.
Der vollständige, sehr lesenswerte Bericht von Andrew Weber findet ihr bei LowBeats.





