Channel One –
Ein Erfahrungsbericht

Channel One im Live-Einsatz
von Matthias Fischer

Einleitung

Dass der Klangcharakter von Stimmen und Gesang in starkem Maße von der Qualität der verwendeten Komponenten wie Mikrofonvorverstärker, Equalizer und Kompressoren abhängt, wird wohl niemand bezweifeln.

In diesem Zusammenhang war ich sehr neugierig, wie sich hochwertige, auf Stimmen spezialisierte Werkzeuge (Kombigeräte, je nach Hersteller Voice Channel, Channel Strip, Voicebox usw. genannt) diesbezüglich verhalten.

Mein persönliches Interesse gilt im wesentlichen der Live-Beschallung. Ist es hier möglich, Stimmen schöner, emotionaler, charakterstärker zu gestalten und sie somit hörbar besser und musikalischer im Gesamtsound zu integrieren?

Bestimmt nicht ohne Grund genießen Geräte dieser Art in den verschiedensten Studios schon recht große Verbreitung. Warum dies nicht auch bei Live-Anwendungen einmal austesten – lohnt der Einsatz, bzw. wieviel Potential steckt hier noch?

Sehr neugierig war ich, wie sich Pulte verschiedener Preis- und Qualitätsklassen im direkten Vergleich verhalten würden. Welcher Sounddesigner hat schon die Möglichkeit, immer seine „Traumkonsole“ bei seiner Produktion selbst zu bestimmen? Sicher die wenigsten!

Aber hier besteht ja auch die Möglichkeit, für gewisse Schlüsselkanäle (z. B. Lead Vocals) seinen Sound im Form eines solchen Gerätes einfach mitzunehmen.

Für mich ergab sich die Gelegenheit, einen SPL Channel One bei einigen Live-Produktionen ganz unterschiedlicher Art und auch im direkten Vergleich mit verschiedenen Pulten einzusetzen und ausführlich testen zu können.

Kurze Beschreibung des SPL Channel One:

Er setzt sich aus folgenden Bearbeitungsblöcken zusammen:

  • Vorverstärker (mit 48V Phantompower, Phase Reserve, 50Hz Low Cut, symmetrische XLR- und Klinken-Eingänge, frontseitiger Instrument-Input, Insert schaltbar)
  • DeEsser (mit Auto Threshold)
  • Kompressor/ Limiter und Gate (Kompressor/Limiter wahlweise, Ratio 2,5:1, Auto Attack- und Release-Zeiten)
  • Equalizer (zweifach semiparametrischer EQ, Air 17 kHz, Distortion)
  • Kopfhörermonitor (mit zusätzlichem Playback-Einspielweg)
  • Der Channel One ist in einem 2HE-Gehäuse mit goldgelber Frontplatte untergebracht. Da im Vorverstärker und Ausgangsstufe jeweils eine Röhre zum Einsatz kommen, ist diese recht effektvoll sichtbar zwischen Vorverstärker und DeEsser plaziert.

Getreu der Philosophie von SPL „ein Gerät für eine Aufgabe“ und dem Prinzip „schnelle und einfache Bedienbarkeit“ begrenzt sich auch der Channel One auf die wesentlichsten Bedienungselemente. So besteht der DeEsser lediglich aus einem Regler, der Kompressor nur aus einem Threshold und Gain-Make-Up-Regler. Alle anderen Parameter werden intern durch ausgeklügelte musikalische Regelmechanismen je nach Audiosignal selbständig gesteuert.

So bleibt nach Ansicht von SPL Zeit für die eigentliche kreative Arbeit.

Auf weitere technische Details möchte ich in diesem Rahmen nicht weiter eingehen und die Interessierten auf die Produktinformationen der Homepage von SPL verweisen (www.soundperformancelab.com).

Praxis

Um die Möglichkeit des direkten Vergleiches zwischen dem Channel One und dem Pultkanal zu realisieren, habe ich das Mikrofonsignal über einen Y-Adapter gesplittet und somit dem SPL und einem Pultkanal zugeführt. Den Ausgang des Channel One habe ich dann symmetrisch per Insert-Return mit dem jeweiligen Pult verbunden, um so weitgehend das Pult zu umgehen. Auf diese Weise konnte ich beim Soundcheck einfach per Tastendruck zwischen den beiden Pre-Amps umschalten.

Den ersten Test konnte ich dann im Rahmen eines kleinen Clubgigs durchführen, mit einer Allen&Heath GL3300-Konsole. Schon bei den ersten zwei Tönen konnte man ein deutlichen Unterschied hören. Während das GL3300 richtig dumpf klang, hatte man beim Channel One das Gefühl, man hätte einen Vorhang vor dem Mikrofon weggezogen: klar, aufgelöst und brillant hörte man aus der PA. Bei dem Versuch, am Pult-EQ der Stimme mehr Klarheit und Brillanz zu geben, neigte das Ganze gleich zum Schreien in den oberen Mitten, während der SPL schon ohne aktivierten EQ ein gutes Bild machte. Zugegeben, es hätte mich auch sehr verwundert, wenn dies nicht deutlich hörbar gewesen wäre, betrachtet man den Preis des GL3300.

Bei einer weiteren, größeren Veranstaltung, hatte ich die Möglichkeit den Channel One im Vergleich zu einem Yamaha PM3500 zu testen. Sehr gespannt war ich, ob der Unterschied auch hier noch so deutlich ausfallen würde! Schließlich gehört das PM3500 in eine ganz andere Kampfklasse wie das GL3300. Aber auch hier zeigte sich sofort ein deutlicher Unterschied. Die Stimme klang sehr schön aufgelöst, klar und rund – die Low Mids ein bißchen raus: perfekt! Während das PM3500 von Haus aus etwas matt, muffig und auch nicht so aufgelöst klang. Der Versuch durch Filterung eine Näherung zum Channel One zu bekommen, wurde mit dem Hang zu einer gewissen sterilen analytischen Härte quittiert. Im Laufe der Show jedenfalls benötigte der Gesang kaum meine Aufmerksamkeit. Dieser war immer sehr weit vorne und direkt, fast könnte man sagen „einfach etwas näher dran“, so dass ich genügend Raum hatte, die Stimme schön satt in die Musik einzubetten. Selbst bei sehr dichten Arrangements versank die Stimme nie im Gesamtsound. Dieser subjektive Eindruck bestätigte sich mir auch später beim Abhören des Mitschnittes.

Zu guter Letzt habe ich noch den Channel One direkt mit einem Midas XL42 (zwei Inputkanäle aus dem XL4) verglichen – und auch hier konnte er noch mithalten. Welchen Sound man bevorzugt, ist sicherlich Geschmackssache. Während der XL42 im Bassbereich etwas kräftiger spielte, hatte der SPL etwas mehr Mittenbetonung. Von Betonung oder Anhebung zu sprechen, wäre allerdings übertrieben. Vielmehr ist es der leicht rauchige, singende Mittencharakter des Röhrensounds, der hier den Unterschied ausmacht. Dieser „steht“ den Stimmen sehr gut, vielleicht ist dies der Grund, warum einem der Gesang so direkt und nah erscheint.

Über das EQ-Konzept des SPL kann man sicher streiten, denn starke Filterungen sind hier nicht möglich. Allerdings kam ich damit gut klar, außer einer leichten Absenkung im LowMid-Bereich zur Kompensation des Nahbesprechungseffekts war eigentlich nichts weiter nötig. Dies setzt natürlich ein halbwegs linear arbeitendes PA-System voraus.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist der Air-Regler (HF Anhebung bei 17kHz!). Dieser produzierte samtig-seidige Höhen, die in dieser Form an Zartheit auch nicht mit dem Midas XL42 zu realisieren waren. Besonderes bei Balladen hat man hier nochmals ein Plus an Nähe und Emotionalität, so daß, bildlich gesprochen, jeder Zungenschlag hörbar wird!

Auf die Funktion von Kompressor und DeEsser möchte ich jetzt nicht mehr detailliert eingehen. Diese sind im Wesentlichen dem DynaMaxx und Auto Dynamic De-Esser von SPL angelehnt und haben ihre Qualität und Tauglichkeit bei vielen Anwendungen und Tests oft unter Beweis gestellt (nachzulesen auf der SPL-Homepage). Einfach reindrehen und wohl fühlen, einfacher geht es nicht! Allemal um Längen besser als so mache Standardware.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Konzept der Firma SPL „Beste Audio-Performance bei einfachster Bedienung“ aufgeht. Dieses Konzept bzw. den Sound des Channel One kann man nun mögen oder nicht. Extreme Sounddesigns sind hiermit nur eingeschränkt möglich. Allerdings stellt sich mir die Frage: Wozu auch – es klingt doch!

Meine in der Einleitung formulierte Aufgabenstellung nach „schöner klingender Stimme“ hat der Channel One deutlich hörbar erfüllt, so daß ich jedem nur empfehlen kann: Schickes Teil, einfach selber mal ausprobieren.

Fazit

Mit dem SPL Channel One erhält man ein für Vocals hervorragend klingendes Gerät.

Der dezent rauchige, singende Mittenbereich verleiht der Stimme genau das, was sie benötigt, nämlich Charakter und Emotionalität. Man fühlt sich einfach „näher dran“!

Besonders hervorheben möchte ich die einfache Bedienung und Qualität von DeEsser und Kompressor, die exakt das machen, was sie sollen, nicht mehr und nicht weniger. Einfach reindrehen und wohl fühlen, Klasse! Gerade unter Live-Bedingungen, wenn es mal wieder schnell gehen muss, ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Als Kritikpunkt mag so mancher den recht spartanischen EQ ansehen. Aber dank seiner guten Abstimmung war dieser bei meinen Anwendungen völlig ausreichend. Umfangreichere Filterungen müssen woanders erfolgen. Aber dazu hat man ja noch den Pult-EQ.

Der Air-Regler produziert samtig-seidige HF-Anhebungen, bei der keiner der zum Vergleich herangezogenen Pult-EQs an Zartheit mithalten konnte. Dies bringt der Stimme ein weiteres Plus an Nähe.

Mir persönlich hat die Arbeit mit dem Channel One so viel Freude bereitet, dass ich ihn sicher bei den nächsten Produktionen vermissen werde.